Stadtteilverein Rohrbach > Jahreshauptversammlung 2005

„Brauchbar abgeliefert”

Jahreshauptversammlung 2005 des Stadtteilvereins

(18.3.2005)

Nach weniger als zwei Stunden war der Abend gelaufen: Der Vorstand einstimmig wiedergewählt, eine Aussprache über die Vorstandsberichte nicht gewünscht. Das sei nun schon die dritte Jahreshauptversammlung ohne Diskussion, meinte der erste Vorsitzende des Stadtteilvereins Bernd Frauenfeld: Er wisse nicht, ob er das „so doll finden” solle. Früher war das anders gelaufen. Da gab es zum Teil heftige Diskussionen, die zwar wenig produktiv waren, aber nicht eines gewissen Unterhaltungswerts entbehrten. Aber eine Jahreshauptversammlung dient ja nur am Rande der Unterhaltung des Publikums. Und wer Lust an langen Diskussionen hat, kann ja dem punker beitreten!

Einigkeit im Stadtteilverein...

Aber natürlich spiegelt die zügige Abwicklung des Abends und der Mangel an Diskussionsstoff auch die unangefochtene Stellung Frauenfelds und seines Vorstands wider. Sein Konzept der Wahrung von Traditionen bei gleichzeitiger Öffnung zu Neuem ist aufgegangen. Und auch sein Vorhaben, die Verdienste und Aktivitäten des Stadtteilvereins besser in der Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Wir punker dürfen uns zu Gute halten, ein wenig Pate gestanden zu haben. Denn ein Kommentar über die „Rauchenden Köpfe älterer Männer” im Papier-Punker 6/2001 hatte Defizite benannt: Schlechte Öffentlichkeitsarbeit, Mangel an jüngeren Mitgliedern und Frauen, Abstinenz bei zentralen Rohrbacher Themen wie dem Verkehr. Fünf Jahre später ist fast alles anders geworden – selbst die Köpfe rauchen deutlich weniger. Noch dominieren Alteingesessene im Vorstand, aber das hat auch mit den „Neuen” zu tun, die sich nicht so recht trauen, auch Verantwortung zu übernehmen. Der Verein ist also auf einem guten Weg in die Mitte des heutigen Stadtteils.

Er wolle, so begann Bernd Frauenfeld seinen jährlichen Rückblick, 1. den ganzen Abend nicht „Kinners” sagen, 2. so wenig wie möglich rauchen und 3. nur dem ans Schienbein treten, der es wirklich verdient hat. Und daran hielt er sich auch.

Der erste Block seines Berichts beschäftigte sich wie immer mit den Aktivitäten des Vereins im vergangenen Jahr. Erfolgreiche Aktionen waren der Sommertagszug, das Oster- und das Museumsfest, Kerwe und Seniorenherbst, Martinszug und vorweihnachtlicher Markt. Immer besser gelingt es, Kindergärten und Schulen einzubinden und eine Stadtteil bezogene „Kultur von unten” zu realisieren. Eine Kultur, die Traditionen wahrt, ohne sich Neuem zu verschließen. Als Beispiele nannte Frauenfeld die Musik- und Kabarettbeträge auf der Kerwe und die neue Website des Stadtteilvereins, die gerade in der Mache ist. Positiv ist aus Vereinssicht auch die Entwicklung der Mitglieder: Um ca. 10% stieg deren Zahl im vergangenen Jahr auf nunmehr 676.

Bernd Frauenfeld mit rotem Hintergrund

Drei Personen, bzw. Gruppen hatten es wohl verdient, ans Bein getreten zu bekommen. Im allgemeinen Teil seiner Rede griff Frauenfeld zwei zentrale Schwerpunkte der Stadtteilentwicklung auf: Rohrbach Markt und die geplante Erdgasleitung. Blaue Flecken holte sich (in Abwesenheit) Raban von der Malsburg, Heidelbergs Erster Bürgermeister. Einmal mehr hatte er in den letzten Monaten den Spürsinn für die Belange der Rohrbacher vermissen lassen und ist damit eigentlich Dauerkandidat für die Pappnase des Jahres. Er solle es klingeln hören, meinte Frauenfeld, der „Erste“, und endlich akzeptieren, dass sich Rohrbach beim Umbau am Markt einig ist. Von der Malsburg solle mit seinen Querschüssen aufhören und das Projekt endlich durchziehen.

Eine Anzahl anderer Schienbeine geriet in den Blick, als Bernd Frauenfeld auf eine „Initiative Sickingenstraße” einging. Obwohl diese Leute vom Umbau am Rohrbach Markt praktisch überhaupt nicht tangiert würden, ließen sie sich, von wem auch immer, vor den Karren spannen und als Spitze gegen das Projekt Rohrbach Markt missbrauchen. Hier kam Frauenfeld in Fahrt, nannte die Betroffenen eine „Hand voll ewig Gestriger”, die Briefe an die Stadt schrieben, nicht aber Stadtteilverein und Bezirksbeirat informierten und das Gespräch suchten und sich nach St. Florian für „gleicher als andere” hielten. Es gelte nun, zusammen zu halten, sonst würden andere Stadtteile die raren finanziellen Mittel „absahnen”. „Jetzt alle zusammen den Rohrbach Markt angehen, sonst können wir es vergessen”, rief Frauenfeld unter Beifall aus und verwies noch einmal darauf, dass der Umbau eine zentrale Bedeutung für den Stadtteil, sein Zentrum und das Geschäftsleben dort habe.

„ Wir machen nicht schlapp”, warnte Frauenfeld jene, die hoffen, der Widerstand gegen die geplante Gasleitung werde mit der Zeit einschlafen. Er freute sich, mit 43 Jahren noch die Erfahrung einer „Klasse Demo” gemacht zu haben und dankte allen, die mit geholfen hatten diese zu organisieren, nicht zuletzt Bürgermeister Würzner. Frauenfeld forderte wieder einmal, den Sachverstand des Stadtteils bei Fragen zu nutzen, die den Stadtteil tangieren: „Was sollen wir den noch alles tun, dass man vom Automatismus abkommt? Da könnte man glatt vom Glauben abfallen ... Fragen Sie zuerst uns, bevor einfach reingebatscht wird!”. Und mit uns meinte erstmals ein Stadtteilvereinsvorsitzender in Rohrbach nicht mehr allein den eigenen Verein. Frauenfeld bezog ausdrücklich den Bezirksbeirat (und den punker) mit ein und bedankte sich für die Zusammenarbeit.

Es folgten der Kassenbericht, der sehr positiv ausfiel, auch wenn der Stadtteilverein den Umbau am Rohrbach Markt wohl immer noch nicht alleine finanzieren könnte und die Aussprache, die, wie gesagt, eigentlich nicht folgte. Die Entlastung des Vorstands war einstimmig. Das habe man wohl „brauchbar abgeliefert” meinte Frauenfeld.
Der Abend endete mit einem Bericht Gustav Knaubers über das Jahr im Heimatmuseum. Auch Knauber konnte eine positive Bilanz ziehen: Mit 944 Besuchern wurde das Vorjahresergebnis um 130 übertroffen. Immer häufige suchen Kinder das Museum auf, mit ihren Schulklassen, bei Kindergeburtstagen oder mit der Kindergartengruppe.

Sehr treffend porträtierte ein Kind es integrativen Kindergartens »Pusteblume«
Gustav Knauber und die Weinpresse nach einem Besuch im Heimatmuseum.

Eine Zigarette und null Kinners nach 20:00 ct. Uhr endete die Jahreshauptversammlung 2005 des Stadtteilvereins – und fand eine informelle Fortsetzung bei Regent im Gastraum des Ochsen.

Am Rande der Jahreshauptversammlung: Zuerst mit Rotwein beglückt und dann auch in den punker eingetreten...
Wir grüßen Günter und Andreas!