Stadtteilverein Rohrbach > Jahreshauptversammlung 2004

Läuft schon …

Jahreshauptversammlung des Stadtteilvereins 2004

(März 2004)

Von Hans-Jürgen Fuchs

"Gemeinsamkeit" war das Wort des Abends beim Jahresempfang 2004 des Stadtteilvereins Rohrbach. Bernd Frauenfeld, 1. Vorsitzender des inzwischen auf 612 Mitglieder angewachsenen Vereins bemühte es in seinem Jahresrückblick und Ausblick immer wieder. Der Verein hat unter seiner Führung auch intern zu Geschlossenheit zurück gefunden, so sehr, dass weniger Mitglieder als sonst zur Jahreshauptversammlung gekommen waren. Ein Gefühl des "läuft schon" hätte sich breit gemacht, so Frauenfeld, eine trügerische Sicherheit, wie sich im Verlauf der Rede zeigen sollte.

Elferrat und mehr

Zunächst stand jedoch ein Rückblick auf der Tagesordnung: Sommertags- und Martinszug, Kerwe und Ostermarkt. Veranstaltungen, die man sich ungern aus dem Leben in Rohrbach wegdenkt, die aber so selbstverständlich geworden sind, dass man viel zu wenig über die Arbeit nachdenkt und die Menschen, die dahinter stehen. Frauenfeld dankte seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand des Stadtteilvereins ("Elferrat") und allen anderen Aktiven herzlich für diese Arbeit.

Mehr Licht in der Dunkelheit

Die Überleitung zum allgemeinen Geschehen in Rohrbach bildete die Stadtteilsvereinsaktion "Weihnachtsbeleuchtung". Viele hatten Sie gefordert, die vorweihnachtliche Dunkelheit in den Rohrbacher Straßen beklagt. Der Stadtteilverein war initiativ geworden und hatte im letzten Jahr die ersten Lichterketten angeschafft und angebracht. 1.500 Euro und viele Arbeitsstunden sind investiert worden. Dieses Jahr könnte auch der Straßenabschnitt Rathaus - Linde dazu kommen. Gesucht werden "Strompaten", die sich mit einer Spende an der Beleuchtung beteiligen.

Den Markt erhalten

Dass nicht alles hell ist, was in Rohrbach letztes Jahr geschah zeigt die Schließung der IGH-Bibliothek. Auch dem Wochenmarkt könnte es besser gehen. Frauenfeld lobte noch einmal die Zusammenarbeit von »punker«, Stadtteil- und Gewerbeverein und Stadt Heidelberg bei der Verlegung des Marktes ans Rathaus. Das mache ihm Mut; der Rohrbacher Kern sei dadurch lebendiger geworden. Nun gelte es, den Markt zu erhalten. Frauenfeld forderte die Rohrbacherinnen und Rohrbacher auf, den Markt zu nutzen, auch "wenn der Worschtzipfel zehn Cent teurer ist". Und er forderte dazu auf, "die Hausaufgaben zu machen". Die Initiatoren der Marktverlegung hatten nämlich besprochen, in unregelmäßigen Abständen durch kleine Aktionen auf den Markt hinzuweisen. »punker« und Stadtteilverein hätten ihr Versprechen gehalten, nun sei der Gewerbeverein an der Reihe. Und vielleicht hätten ja auch andere Vereine Lust und Ideen für kleine Aktionen…

"Das Handtuch kommt!"

…so beschrieb Frauenfeld das, was nach dem Stand der Dinge sicher ist beim Ausbau des Furukawa-Geländes. Der Minipark an der Ecke Heinrich-Fuchs-/Fabrikstraße würde gebaut. Andere Dinge seien da weniger gewiss. Auffällig sei, dass der Investor seine anfänglich offensive Informationspolitik inzwischen eher zurückhalten betreibe. So habe sich Hoch-Tief z.B. verpflichtet, im Zentrum des Gebiets eine Kindertagesstätte mit einem großzügigen Außengelände zu bauen. Inzwischen höre man von Plänen, dies an das geplante Wohnheim für Demenzkranke des Bethanienkrankenhauses anzugliedern. Das würde Hoch-Tief die Vermarktung eines weiteren Baufeldes ermöglichen – und die Kindertagesstätte viel weniger attraktiv machen. Hier gilt es aufzupassen…

Umgestaltung Rohrbach Markt

Breiten Raum in Frauenfeld Rede nahm wieder die Umgestaltung von Rohrbach Markt ein. Er beschrieb den Prozess zur Erstellung eines Verkehrskonzepts für Rohrbach und bat um Verständnis dafür, dass die Pläne für die Umgestaltung mehr seien als ein reines Verkehrskonzept. Es gehe darum, eine ungute Entwicklung zu stoppen. "Wenn wir jetzt nicht daran drehen, haben wir ein Problem!", sagte Frauenfeld und sprach das Sterben der Länden am und um den Markt an. Jetzt müssten Einzelinteressen hinter dem Ganzen ein Stück weit zurückstehen: "In der Panoramastraße werden die gleichen Steuern bezahlt wie an der Karlsruher - /Ecke Parkstraße…". Frauenfeld bedankte sich bei den anwesenden Gemeinderäten Weirich, Eisenmann-Knorr, Gund und Pfisterer (CDU), Emer (SPD) und Holschuh (GAL) ausdrücklich für die Unterstützung, die es möglich gemacht hatte, dass Gelder für die Umgestaltung in die Haushalte 2004 und 2005 eingestellt werden konnten.

Finger weg vom Rohrbacher Feld!

Ein einziges Mal wurde Frauenfeld heftig. "Es reicht jetzt!" rief er aus, als er auf die geplante Erdgasleitung quer durch das Rohrbacher Feld zu sprechen kam, "Jeder meint, er könne mit Rohrbach machen, was er will". Er verwies darauf, dass Rohrbach eine große Mitgift in die Stadt Heidelberg eingebracht habe. Doch damit habe man "gehaust", man betrachte nur Boxberg/Emmertsgrund/Hasenleiser – alles ehemalige Rohrbacher Gebiete. Frauenfeld kritisierte die Informationspolitik der Stadt und hieb damit in die gleiche Kerbe wie der Bezirksbeirat auf seiner letzten Sitzung. Seit letztem Jahr wisse man dort von der geplanten Leitung, aber niemand sei auf die Idee gekommen, die Betroffenen zu informieren oder sich das "kostenlose Knowhow vor Ort einzuholen".
Nun habe die Stadt allerdings eine Stellungnahme abgegeben, hinter der man voll stehen könne. Es gelt jetzt gemeinsam, rückhaltlos und mit Macht gegen die Pläne zu opponieren, meinte Frauenfeld. Würde die Gasleitung realisiert, würde das Rohrbacher Feld platt gemacht. "Kein Hobbywinzer, der heute 55 ist, fängt in 5 Jahren wieder völlig neu an" und dann sei vieles verloren, was Rohrbach und Heidelberg ausmacht. Schließlich ist Heidelberger Wein Rohrbacher Wein. Frauenfeld kündigte Aktionen an, "die sich gewaschen haben" und sprach gar von zivilem Widerstand: "Finger weg von der Rohrbacher Gemarkung!"

Museum, Finanzen und mehr

Im Anschluss an Bernd Frauenfeld beschrieb Gustav Knauber das vergangene Jahr aus der Sicht des Museums. 771 Besucher habe man gezählt, einige weniger als im Jahr vorher. Hier habe der heiße Sommer zugeschlagen. Aber vielleicht wird das ja anders, wenn Pläne für die Renovierung eines kühlen Weinkellers realisiert werden können…
Ein großer Erfolg ist der Verzähldisch. 16 Mal fand er in vergangenen Jahr statt, durchschnittlich kamen 17 Teilnehmende. Beim letzten Abend reichten die Stühle nicht aus. 32 Menschen dränten sich im Nebenzimmer des Adlerstübchens.
Michael Gail berichtete von soliden Finanzen des Stadtteilvereins. Das Rechnungswesen sei nun auf EDV umgestellt worden. Praktisch, aber auch ein bisschen schade, denn so ein altes Kassenbuch macht einfach mehr her als eine schnöde Excel-Tabelle…

Gemeinsamkeit

Frauenfeld hatte zum Abschluss noch einmal den Wert der neu erreichten Gemeinsamkeit betont und sich ausdrücklich auch beim Bezirksbeirat für die Zusammenarbeit bedankt. Der Bogen schloss sich, als niemand sich bei der Aussprache zu Wort meldete. "Läuft schon" war wohl tatsächlich das Grundgefühl in der Versammlung. Wichtig ist nur, dass die dunklen Wolken über den Rohrbacher Feldern ernst genommen werden. Das wir uns rechtzeitig klarmachen, dass es in der Tat reicht. Gemeinsam und im Macht …