Stadtteilverein Rohrbach > Jahreshauptversammlung 2002

Verkehr - Furukawa - Einzelhandel

Jahreshauptversammlung 2002 des Stadtteilvereines

von Hans-Jürgen Fuchs

Alle Jahre wieder versammeln sich die Mitglieder des Stadtteilvereines im Saal des Ochsen zur Jahreshauptversammlung. Dabei steht, neben den üblichen Formalia wie der Entlastung des Vorstandes, dem Bericht der Kassenprüfung und den Neuwahlen, bei denen die Kandidierenden immer Ergebnisse einfahren, die seit Erich Honecker eher selten sind, der Jahresbericht des ersten Vorsitzende im Mittelpunkt. In diesem Jahr nannte Bernd Frauenfeld drei zentrale Rohrbacher Problemfelder: Verkehr, Furukawa und die Entwicklung des Gewerbes.

Als "indiskutabel" bezeichnete er es, dass im neu aufgelegten Heidelberger Verkehrsentwicklungsplan Rohrbach nur am Rande vorkommt. Er nannte es einen Skandal, dass man sich in der Stadt Gedanken mache über "Landesgartenschauen in Stadtteilen, die es noch gar nicht gibt", während andererseits kein Gedanke darauf verwendet werde, wie die unerträgliche Situation am Rohrbach Markt geändert werden könne, wo nach wie vor täglich über 50.000 Fahrzeuge durchfahren. Die versprochene Entlastung durch die B535 sei ausgeblieben. Frauenfeld plädierte für den Bau eines Tunnels am Rohrbach Markt und appellierte an die anwesenden Gemeinderatsmitglieder Emer (SPD), Weyrich und Gund (CDU) sich dafür einzusetzen: "Für den Tunnel gibt es keinen Ersatz!". Bernd Frauenfeld berichtete auch von den von ihm angeregten Gesprächen mit dem Architekten Uwe Bellm. Gemeinsam mit Gernot Hois und Hans-Jürgen Fuchs sollen Ideen für eine Neugestaltung des Rohrbach Markt entwickelt werden. Auch bei der Stadt gibt es eine Gruppe, die an dem Problem arbeitet. Wichtig sei, so Frauenfeld, dass "wir an der Planung beteiligt werden, nicht erst nach deren Abschluss"...

...so wie dies bei Furukawa der Fall gewesen sei. Da sei klammheimlich aus der Planung der Park an der Ecke Heinrich-Fuchs/Fabrikstraße verschwunden und die Rohrbacher Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Er, Frauenfeld, habe damals die Idee von Ingolf Hetzel aufgegriffen und versucht, in letzter Minute doch noch eine bessere Verzahnung von Alt-Rohrbach und dem neuen Teil zu erreichen. Dies sei leider nicht erreicht worden. Doch er sei stolz darauf, dass es gelang, in dieser entscheidenden Frage innerhalb von 24 Stunden über 30 Unterschriften der Vorsitzenden der großen Rohrbacher Vereine unter eine Anzeige des Stadtteilvereines zu bringen. Der Gemeinderat habe den "klar geäußerten Wunsch der Rohrbacher Bevölkerung" in einer demokratischen Entscheidung abgelehnt. Das habe man zu akzeptieren, sagte Frauenfeld, schlimm sei jedoch die Inkompetenz, mit der einige Gemeinderäte an die Sache herangegangen seien. So habe zum Beispiel ein Gemeinderat (Frauenfeld nannte den Namen Nils Weber nicht) Furukawa kurzerhand nach Kirchheim verlegt.

Der Vorsitzende des Stadtteilvereines ging auch auf die Lage der Geschäfte im Rohrbacher Kern ein. "Das Problem ist hausgemacht", sagte Frauenfeld, "wer all seine Einkäufe in den Supermärkten an der Peripherie tätigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Tante-Emma-Laden um die Ecke verschwindet. Er nannte es einen großen Erfolg, dass es auf Initiative des »punker« gelungen sei, gemeinsam mit dem Gewerbeverein eine Initiative zur Verlegung des Wochenmarktes an das Rathaus zu starten. Ein Markt im Zentrum könne zur Belebung in der Rathausstraße beitragen und damit den Geschäften helfen. Frauenfeld zweifelte nicht daran, dass diese Initiative Erfolg haben wird. Wichtig sei es dann aber, den Markt am Laufen zu halten.

Im internen Teil seines Berichtes ging Frauenfeld ein auf die Mitgliederentwicklung im Stadtteilverein. Diese sei überaus positiv. Im letzten Jahr konnte die Zahl der Mitglieder um fast 10% auf nun 576 gesteigert werden. Aber damit ist Frauenfeld nicht zufrieden: "Ich will tausend!".

In der Jahreshauptversammlung 2002 hat sich der "Rauch über den Köpfen" bereits etwas gelegt. Deutlich weniger Tabakdämpfe schwebten diesmal im Raum. Natürlich lag das auch daran, dass weniger Mitglieder gekommen waren als im letzten Jahr. Aber die Atmosphäre war insgesamt offener als früher. Sicher wird und muss es weiterhin auch Auseinandersetzungen geben. Die Lebenswelten derjenigen, die heute in Rohrbach leben, sind einfach sehr unterschiedlich, und die Interessen ebenso. Aber jetzt arbeiten Gruppen, die früher ohne Kontakt nebeneinander existierten auf vielen Feldern zusammen. Das kann Rohrbach nur gut tun. Eine Hoffnung wird sich jedoch nicht so schnell erfüllen: Eine Stadtteilvereins-Fussballmannschaft für das Rohrbacher Turnier wird es wohl auch in Zukunft nicht geben, dafür sind auch die meisten »punker« inzwischen zu alt...